Die Abläufe im ´Steri` oder was macht eigentlich eine Steri-Beauftragte?

Kategorie: Allgemeine Zahnmedizin, Karriere/Stellenangebote

Die Abläufe im ´Steri` oder was macht eigentlich eine Steri-Beauftragte?

Sterile Instrumente und ein sauberes Equipment sind in einer professionellen Zahnarztpraxis eine Selbstverständlichkeit. Dennoch möchten wir den Bereich Sterilisation genauer unter die Lupe nehmen. Die Hygienebauftragte Simin Zohori schildert uns die genauen Abläufe in der Fachpraxis am Frauenplatz.

 

Simin Zohori: Zunächst unterscheiden wir zwischen Desinfektion und Sterilisation. Nicht alle Instrumente in einer Zahnarztpraxis müssen sterilisiert werden. Medizinprodukte, die lediglich mit Haut in Berührung kommen, sind nach einer Behandlung sorgfältig zu desinfizieren. In der Fachpraxis erfolgt diese Desinfektion maschinell im Thermodesinfektor. Die Desinfektion, das heißt, die Abtötung aller pathogenen Keime, verläuft alkalisch. Selbstverständlich ist der Thermodesinfektor in unserer Praxis validiert und wird jährlich gewartet.

Die Sterilisation erfolgt also auf eine andere Weise?

Simin Zohori: Ja, eine Sterilisation ist ein wesentlich umfangreicheres Verfahren, das dann greift, wenn chirurgische, parodontologische oder endodontologische Maßnahmen beim Patienten erfolgten. Instrumente bzw. Equipment, das in diesem Fall verwendet wurde, gehört zur Kategorie „kritisch A“.

Hier reicht es nicht, die Instrumente im Thermodesinfektor bei 93°C zu erhitzen, um pathogene Bakterien abzutöten. Die Sterilisation erfolgt im sogenannten Autoklav.

Bei der Sterilisation geht es darum, sämtliche Formen von mikrobiellem Leben mit dem Ziel der absoluten Keimfreiheit zu vernichten. Wir sprechen hier von einem Sterilitätssicherheitswert von 10-6. Die theoretische Wahrscheinlichkeit, dass ein lebender Organismus nach der Sterilisation an einem Instrument zu finden ist, muss kleiner als eins in einer Million sein. Jeder Durchlauf muss dabei digital dokumentiert werden. 

Wie ist die Sterilisation in der Praxis organisiert?

Simin Zohori: Alle kontaminierten Instrumente aus einer Behandlung werden in einer verschlossenen Box in unseren Steri-Raum transportiert, entsprechend vorgereinigt und möglichst sofort in den Autoklav eingeräumt. Wir arbeiten hier immer zu zweit mit der entsprechend vorgegebenen Schutzkleidung (Kittel, Mundschutz, Schutzbrille und spezielle Handschuhe). Die Sterilisation mit Wasserdampf im Autoklav bei 134 °C dauert ca. eine Stunde.

Instrumente, die für eine OP nötig sind, werden anschließend sofort luftdicht eingeschweißt. Auch hier ist sorgfältig darauf zu achten, dass das Einschweißen wirklich luftdicht erfolgt und die Siegelnaht perfekt ist.

Instrumente, die nicht eingeschweißt werden müssen, werden sofort wieder in die Schubladen in den Behandlungsräumen eingeräumt. Wir kontrollieren alle Instrumente zweimal unter der Lupe auf gründlichste Reinigung. Einmal direkt nach der Thermo- oder Autoklav-Behandlung und einmal bevor sie in die Schublade eingeräumt werden. Die OP-Instrumente werden im Steri-Raum zwischengelagert.

Welche spezielle Ausbildung haben Sie für die Arbeit im Steri-Raum gemacht?

Simin Zohori: Ich habe einen Sachkundelehrgang für erfahrenes OP-Personal für die Bereiche Hygiene, Medizinprodukteaufbereitung und Qualitätsmanagement gemacht. In diesem Lehrgang beschäftigten wir uns unter anderem mit Mikrobiologie und Epidemiologie, mit den Grundlagen der Hygiene, mit Rechtskunde bei Medizinprodukten und mit der Aufbereitung von Instrumenten. Bei der Aufbereitung geht es z.B. um Instrumentenkunde, um Grundlagen der Desinfektion und Sterilisation, um Verpackung von Sterilgut und um die jeweiligen speziellen Anforderungen an Desinfektion und Sterilisation, z.B. bei den lebensgefährlichen Prionen.

Was sind Prionen?

Simin Zohori: Das sind organische Toxine (Gifte) mit virusähnlichen Eigenschaften. Prione haben z.B. die BSE-Krise, im Volksmund „Rinderwahn“ ausgelöst.

Hygiene beschränkt sich aber nicht nur auf Instrumente, Hände und unsere Schutzkleidung, sondern auch auf die Abfälle, die räumlichen Anforderungen und die grundsätzlichen Voraussetzungen für die Aufbereitung von Medizinprodukten.

Letztendlich geht es bei der Sterilisation darum, jegliches Infektionsrisiko beim Einsatz der Instrumente in einer OP oder bei einer zahnärztlichen Behandlung ausschließen zu können. Hygiene wird bei uns in der Fachpraxis sehr groß geschrieben und ist uns allen extrem wichtig.

Ein spannendes Thema.

Simin Zohori: Ja, ich habe diesen Lehrgang mit großem Interesse verfolgt und viel dazugelernt.

 

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